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ALBUM DER WOCHE

Cold Years - Paradise

18.09.2020

„Ich erinnere mich, wie ich als Kind mit meinem Vater im Auto saß, wir Radio hörten und er zu mir sagte, dass eines Tages auch meine Songs dort laufen würden“, hat Sänger Ross Gordon im STAR FM-Interview erzählt und war mächtig stolz, dass gerade die Single „Night Like This“ seiner Band Cold Years lief. Für ihn sind diese Momente immer noch etwas ganz Besonderes. Zwar machen die vier Schotten schon seit 2014 Musik, so richtig geht es für sie aber erst dieses Jahr mit ihrem Debütalbum „Paradise“ los. Der Titel ist ironisch gemeint, denn die Platte schildert authentisch, unverblümt und teils wütend das Hadern mit der Heimatstadt, dem Job und der Beziehung.

Stellvertretend dafür ist der Opener „31“, der akustisch, nur mit Ross und seiner Gitarre beginnt, auf dem er reflektiert, was alles gerade in seinem Leben schiefläuft und dass er dringend etwas ändern muss. Zum Refrain setzt dann die ganze Band ein und zeigt, wo die Reise auf dem Album hingeht: Gradlinige und starke Rocksongs, die unter anderem an The Gaslight Anthem oder Rise Against erinnern. Genau wie letztere scheuen sich Cold Years nicht, auch ihre Meinung zum politischen Geschehen zu äußern. In der Single „62 (My Generation’s Falling Apart)“ geht es um den Frust und die Kritik am Brexit und die damit verbundenen Zukunftsängste. „Electricity“ ist der punkigste Songs auf dem Album mit verwegenen Strophen und Ross‘ einzigartiger, kratziger Stimme. Das letzte Drittel des Titels überrascht mit einem musikalischen Bruch, der durch schwere Gitarren entsteht, in dem der Sänger fast schreit und wo es beim Wort Thunder (Donner) zurecht im Hintergrund scheppert. Hier lassen die Rival Sons im besten Sinne grüßen. Auch „Burn The House Down“ ist ein sprichwörtlicher Abriss. Aber Cold Years beherrschen auch den großen Stadionrock, wie sie mit „Dropout“ beweisen. Als letzten Track gibt es die Ballade „Hunter“, die Ross für seinen verstorbenen Hund geschrieben hat. Der Titel ist reduziert und akustisch, so wie der Anfang des Albums, womit sich der Kreis schließt.

Auch, wenn „Paradise“ alles andere als rosige Sachen thematisiert, ist gerade dies unheimlich spannend. Eine junge und ungestüme Band, die etwas zu sagen hat. Ihre Meinung in allerfeinste, energetische Rocksongs gießt und ein mehr als gelungenes Debüt vorlegt. Da fiebert man richtig mit Cold Years mit, dass die sympathischen Schotten bald wieder auf Tour gehen. Denn sie können es selbst kaum erwarten, endlich wieder live zu spielen und die Leute mitzureißen.