Ab 23.10.2020

Die Ärzte – HELL

Gekonnt charmant, mit messerscharfem Blick und spitzer Zunge spielen sich die drei durch 18 Songs – mal mehr und weniger ernst gemeint

Foto: Hot Action Records

Eigentlich wären Die Ärzte im Dezember auf „In The Ä Tonight Tour“ gegangen. Die Karten dafür waren bereits im November letzten Jahres blitzschnell ausverkauft. Doch ihre Konzerte mussten sie aufgrund der Corona-Pandemie auf 2021 verschieben. Ein Glück, dass davon nicht ihr neues Album HELL betroffen ist. Gekonnt charmant, mit messerscharfem Blick und spitzer Zunge spielen sich die drei durch 18 Songs – mal mehr und weniger ernstgemeint.

Nach einem, zugegeben, etwas kruden Intro fetzen sie bei PLAN B gleich ordentlich los und Farin erklärt, wie man richtig Musik macht. Im anschließenden ACHTUNG: BIELEFELD, in dem es um Langeweile geht, übt Bela Kritik an der schnelllebigen und oberflächlichen Gesellschaft. Der stärkste Satz des Albums: "Ich denke, dass eine Mutter in Aleppo sich auch gern mal langweilen würde." Apropos Kritik, Lied Vier wirft die Frage auf WARUM SPRICHT NIEMAND ÜBER GITARRISTEN und beantwortet sie augenzwinkernd. An DAS LETZTE LIED DES SOMMERS sollte man dann denken, wenn man mal wieder im Stau steht und nicht voran kommt. Der Track lässt eine kleine Westerland-Hommage erahnen. Elvis' Viva Las Vegas blitzt in dem Country angehauchten LIEBE GEGEN RECHTS durch. Der auffälligste Titel ist LEBEN VOR DEM TOD, ein ruhiges Liebeslied mit Streichern.

Man muss es ihnen einfach lassen, Die Ärzte haben auf ihrem Album HELL immer noch den Schalk im Nacken. Dennoch haben sie etwas zu sagen, sei es zur Klimakrise oder Verschwörungstheoretikern. Von Bands, die Themen so gekonnt in Songs gießen und musikalisch verpacken, sollte es einfach mehr geben. Wobei, laut Gesetz gibt es ja nur einen Gott: BelaFarinRod.

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